Nachruf auf Gretel Weber

Am 23.3.2018  starb die bekannte Stuttgarter Antifaschistin und Kommunistin Gretel Weber. Sie wurde als Gretel Kaupp am 12.7.1919 geboren. Ihre Mutter Frieda war ledig und musste arbeiten. So war sie gezwungen, Gretel in einem Heim unterzubringen. Damit war sie sehr unglücklich und freute sich, dass ihre  Arbeitskollegin Emma Häbich sich erbot, Gretel bei sich aufzunehmen. So kam Gretel mit einem Jahr als Pflegetochter ins Haus der Familie Häbich. Sie sagte später, dass das ihr großes Glück gewesen sei.

Gretel Weber mit Jugendlichen im Projekt „Frage-Zeichen?!“

Im Haus Häbich herrschte nach dem Tod des Vaters bitterste Armut. Die Mutter erhielt für den Unterhalt der Kinder nur Pfennigbeträge und war oft nicht einmal in der Lage, die Lebensmittelmarken einzulösen, weil dazu das Geld fehlte. Aber Gretel empfand die große Wärme und Solidarität, die in der kommunistischen Familie Häbich herrschte und von der sie als Jüngste stark profitierte. Besonders verehrte sie ihren Pflegebruder Walter, den Jüngsten der Häbich-Kinder, der schon 1934 von den Nationalsozialisten verhaftet und später ermordet wurde. Stolz erzählte sie, wie sie als junges Mädchen bei Hausdurchsuchungen illegale Schriften der KPD an ihrem Körper versteckt hatte.

Gretel machte zunächst eine Schneiderlehre, besuchte dann die Handelsschule und wurde Buchhalterin bei einer Krankenkasse. Nach dem Ende der NS-Diktatur fanden sich Freunde der Familie, die aus dem KZ entlassen worden waren, im Hause Häbich ein. Darunter auch ihr späterer Mann, Karl Weber. Er verliebte sich in die inzwischen herangewachsene Gretel und sie heirateten noch 1945. Sie bekamen zwei Söhne, Jürgen und Walter und bauten ein Haus in der Roßwagerstr. in Stuttgart-Rot, in dem Gretel bis zuletzt lebte. Bei der seit März 1966 laufenden Kommunistenverfolgung unter dem Namen „Aktion Schneehase“ wurde Karl, der ja bereits im KZ gesessen hatte, verhaftet, und nur durch die Solidarität ihrer Freunde konnten sie ihr Haus behalten.

Gretel Weber, die bis zum Schluss geistig aktiv und lange Zeit körperlich fit war, engagierte sich gegen Faschismus und Krieg, für soziale Gerechtigkeit und für eine andere Gesellschaft, den Sozialismus. Sie war viele Jahrzehnte in der VVN, viele Jahre in der Stolperstein-Initiative Stuttgart-Zuffenhausen aktiv, beteiligte sich an dem Zeitzeugen-Projekt der Stolperstein-Initiativen Stuttgart und uns als Stadtjugendring. Am liebsten arbeitete sie mit Jugendlichen, denen sie ihre Erfahrungen lebendig weitergab. Dabei war sie immer bescheiden und stellte sich nicht in den Mittelpunkt. Ihr war die Sache wichtig: Der Kampf gegen Krieg und Faschismus!

Wir werden ihr Andenken dadurch ehren, dass wir in ihrem Sinne diesen Kampf fortführen.

Die Urnen-Beisetzung findet am 13.4. um 13 Uhr im Familiengrab auf dem Friedhof Botnang, Bauernwaldstr. 46 in 70195 Stuttgart statt.