Jenseits der Grenzen

Jugend aus Lodz, Strasbourg und Stuttgart in Aktion im Städtepartnerschaftsjahr 2018

Drei Graffiti Artists nehmen den hinteren Bühnenraum ein und teilen auf mobilen Wänden ihre Strassenkunst mit dem Publikum. Wie zufällig erscheinen Tänzer aus dem Schutz der Wände und verschwinden genauso wieder. Was zunächst als abstrakte Graffiti wirkt, nimmt Gestalt an: „Bo“ „rd“ „er“. Ruhig startet das von der Straßburger Choreographin Hyacinthe Gau- Lopez inszenierte Tanztheater „A taste of unlimited space“ als Gastspiel im Kinder- und Jugendtheater „Junges Ensemble Stuttgart“ am 3. Februar 2018. „ Ich wollte mit einer Strassenszene beginnen, um die Gegenwärtigkeit der Grenzen in unserem Alltag und Leben zu zeigen“, erklärt Gau-Lopez.

Der Stadtjugendring Stuttgart, Underground Soul Cypher sowie die Wilde Löwenjugend mit den Partnerorganisationen Compagnie Corps & Graph und der Fundacja Art of Breaking präsentieren mit dem Stück das Ergebnis aus drei Jugendbegegnungen. Hörende und gehörlose Jugendliche aus den Partnerstädten Lodz,Strasbourg und Stuttgart zeigen im zeitgenössischen Tanz, Hip Hop und Graffiti wie Grenzen zu Freiraum werden. „Eine neue Erfahrung“, erzählt eine gehörlose Französin, „klar gab es auch Spannungen, aber wir haben das gelöst, der Beweis ist auf der Bühne sichtbar.“
Bettina Szotowski, Referentin im Stadtjugendring Stuttgart, ergänzt:„ Die polnischen Partner berichteten von ihren inklusiven Break Dance Kursen mit gehörlosen Jugendlichen. Das wollten wir gemeinsam im Jugendbegegnungsprojekt ausprobieren.“

Grenzen, mal hart, dann wieder fließend, bestimmen das Stück, das die Zuschauerschaft atemlos hält. Im mobilen Bühnenbild einzelner Graffiti Leinwände mischen sich Tanz und Malerei und geben Mut, Grenzen zu überwinden. Was so leicht wirkt, war im Prozess nicht ganz einfach.
Jörg Titze, erster Vorsitzender im Stadtjugendring Stuttgart, weiß vor welchen Herausforderungen die Gruppe stand:„ Sechs verschiedene Sprachen, da sich auch die Gebärdensprachen unterscheiden, verschiedene Disziplinen im Tanz, Graffiti, sehr individuelle Persönlichkeiten und nationale Hintergründe, mehr Inklusion geht fast nicht“, meint er anerkennend gegenüber dem Leitungsteam. Im Schlussbild zeigen sich alle jungen Menschen gemeinsam auf der Bühne bei Graffiti und Tanz in aller Unterschiedlichkeit, in Solidarität und gegenseitiger Achtung miteinander verbunden. Ein anschließendes Publikumsgespräch erlaubt den Blick hinter die Kulissen.

Das Jugendbegegnungsprojekt ist über das Deutsch-Französische Jugendwerk, die Landeshauptstadt Stuttgart, Aktion Mensch, die Landesbank Baden-Württemberg und die Stadt Strasbourg kofinanziert.